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Abformung

Historische Gebäude mit oftmals reich strukturierten Fassaden, Zierelementen, Ornamenten und/oder künstlerisch wertvollen figürlichen Darstellungen sind der Witterung mehr oder weniger stark ausgesetzt, die eine weitere Schädigung erwarten lassen. Da diese Zierelemente, Ornamente oder Figuren in der Regel (beispielsweise aus Gründen des Denkmalschutzes) am ursprünglichen Ort verbleiben sollen oder müssen, werden zumindest bei historisch oder künstlerisch wertvollen Objekten Kopien davon gefertigt, die dann in einem Museum oder Lapidarium der Öffentlichkeit zugänglich und somit erlebbar gemacht werden können. Die Herstellung einer solchen Kopie vom Originalobjekt wird als Abformung bezeichnet.

 

Je genauer die Kopie dem Originalobjekt entsprechen soll, desto größer wird naturgemäß der Aufwand, um solch eine Abformung herzustellen. Wenn beispielsweise der Steinmetz eine Kopie einer steinernen Figur oder eines Ornaments fertigen soll, wird es kaum möglich sein, eine naturgetreue Nachbildung auch der Steinoberflächen in allen Details herzustellen (z. B. die Bearbeitungsspuren des Scharriereisens des Steinmetzes, der seinerzeit die Figur oder das Ornament hergestellt hat). Die ursprüngliche Form kann allerdings, sofern die Vorlage nicht zu stark verwittert ist und andere Quellen über das Original zur Verfügung stehen, meist recht gut kopiert werden.

 

Eine Abformung hält den Zustand der Vorlage zum Zeitpunkt der Herstellung der Kopie fest, wenn nicht zusätzliche Ergänzungen vorgenommen werden, die beispielsweise durch Beschädigungen (z. B. Kantenabbruch) oder Verwitterungsprozesse bedingt sind. Deshalb muss vor Beginn der Abformung abgeklärt werden, welchen Zustand des Ausgangsobjekts die Kopie darstellen soll. Wenn lediglich der Ist-Zustand abgeformt werden soll, ist dies in jedem Falle leichter zu realisieren als eine Abformung, bei der zusätzlich verloren gegangene Teilstücke nachgebildet werden müssen. Deshalb sind insbesondere für künstlerisch oder historisch wertvolle Objekte, die kopiert werden sollen, nur erfahrene Restauratoren und/oder künstlerisch begabte Steinmetze (z. B. bei Natursteinskulpturen) zu beauftragen, die auch die für die Abformung zur Verfügung stehenden Abformwerkstoffe kennen und fachgerecht einsetzen können.

 

Je nach Größe und Schwierigkeitsgrad des zu kopierenden Objekts (beispielsweise einer lebensgroßen Statue aus edlem Marmor) sind die Formen, die aus elastischen oder starren Abformwerkstoffen hergestellt werden, ein- oder mehrteilig herzustellen. Soll lediglich die äußere Form, nicht jedoch das Material kopiert werden, werden beispielsweise Gipsformen erzeugt, die dann die gesamte Kontur der originalen Vorlage als Negativform aufweisen. Diese Negativformen können dann mit einer raumbildenden und in der Form selbst erhärtenden Masse verfüllt werden, es entsteht die originalgetreue Kopie.

 

Das Prinzip der Abformung findet sich nicht nur im Baubereich, sondern auch in zahlreichen anderen technischen Anwendungen und auch in der Medizin (z. B. der Zahnmedizin). Es stehen dazu je nach Einsatzzweck höchst unterschiedliche Abformmaterialien wie thermoplastische oder duroplastische Materialien zur Verfügung, aber auch der preiswerte Gips kommt in manchen Fällen zur Anwendung.

 

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