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Waalweg

Wasser ist für das Leben von Menschen, Tieren und Pflanzen unverzichtbar. Doch nicht überall steht das dafür benötigte Wasser in der gewünschten Menge zur Verfügung. In den steilen Hanglagen der südlichen Alpen haben daher bereits vor Jahrhunderten die Berg- und Weinbauern Bewässerungsrinnen angelegt, die das Wasser aus einem größeren Bach oder Fluss gezielt an den Hängen entlang führen, wobei das Gefälle so ausgelegt ist, dass das Wasser ausreichend schnell fließen kann, die Strömung aber nicht zu stark wird. In Tirol und Südtirol werden diese meist oben offenen Wasserrinnen als Waalweg bezeichnet, da neben der Bewässerungsrinne üblicherweise noch ein begehbarer Weg entlangführt, der früher ausschließlich zu Wartungszwecken genutzt wurde und heute vielfach touristisch genutzt wird. Der Ausdruck Waal ist mit hoher Wahrscheinlichkeit aus dem lateinischen aqualis abgeleitet und durch mundartliche Eigenheiten umgeformt worden. Nach anderen Quellen könnte Waal auch aus dem keltischen boul stammen.

Die ersten Bewässerungsrinnen entstanden im Bereich von Algund und Meran (Südtirol) wohl bereits im 14. Jahrhundert (an einer Stelle des Algunder Waalwegs ist die Jahreszahl 1333 zu finden), wobei alle Waalwege im Laufe der Zeit wohl mehrfach erneuert und auch erweitert worden sind. Je nach örtlichen Gegebenheiten wurden die Waale in den Felsen geschlagen, das Erdreich kanalförmig ausgehoben und mit Natursteinen trogförmig ausgekleidet oder gar mit Holz verbaut. In der heutigen Zeit bestehen die Waale überwiegend aus Betonrinnen, in überdeckten Bereichen auch aus Beton- oder Kunststoffrohren. Die parallel angelegten Wege sind an der Oberfläche meist unbefestigt, lediglich an einigen Stellen ist eine talseitige Hangverbauung vorhanden.

In der Region in und um Meran sowie den angrenzenden Tälern sind Waalwege heute vielfach für Touristen erschlossen und ausgeschildert worden. Dennoch sollte immer damit gerechnet werden, dass die Waalwege, die nach wie vor zur Bewässerung von Weinbergen oder anderen landwirtschaftlich genutzten Flächen (einschließlich der vielen monokulturartigen Apfelbaumplantagen) dienen, recht schmal sein können und/oder keine Absturzsicherung (Geländer oder ähnliches) aufweisen. An manchen Waalwegen fällt der Hang seitlich teilweise sehr steil und auch tief ab, sodass Personen mit Höhenangst solche Wege nicht begehen sollten.

In anderen Regionen der Erde sind den Waalwegen ähnelnde Bewässerungskanäle vorhanden, die dann vielfach auch regionaltypische Bezeichnungen aufweisen. Im Grundsatz ähneln sich jedoch alle derartigen Bewässerungskanäle, dienen sie doch in erster Linie der Bewässerung von landwirtschaftlich genutzten Flächen in Regionen, in denen lokal ansonsten zu wenig Wasser zur Verfügung steht. In manchen Fällen wird auch die Trinkwasserversorgung auf diese Weise sichergestellt.

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