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Kommunwand

In zahlreichen älteren Reihenhäusern, Doppelhäusern oder auch bei Gebäuden, die zeitversetzt aneinander gebaut (gereiht) worden sind, bestehen die Gebäudetrennwände oftmals lediglich aus einschaligen Wänden. Die Wanddicken dieser als Kommunwand bezeichneten Gebäudetrennwand sind je nach Alter des Gebäudes und Bauweise unterschiedlich, wobei in den 1950er Jahren die vorherrschende Wanddicke 24 cm (ohne Putz) betrug. Bei noch älteren Gebäuden sind durchaus auch noch geringere Wanddicken möglich. Eine Kommunwand (abgeleitet aus lateinisch communis = gemeinsam) ist somit eine Wand, die zwei unterschiedliche Gebäudeeinheiten voneinander abtrennt. Weitere Bezeichnungen sind Kommunmauer, Nachbarwand oder halbscheidige Giebelmauer. Die Grenzwand unterscheidet sich von der Kommunwand dadurch, dass diese ausschließlich auf einem Grundstück an der Grenze errichtet ist, die Kommunwand dagegen steht auf zwei aneinander grenzenden Grundstücken (sozusagen „grenzübergreifend“).

 

Aber auch die Wohnungstrennwand im Mehrfamilienhaus wird oftmals als Kommunwand bezeichnet, da sie im Prinzip die gleichen Funktionen und auch Nachteile aufweist. Der meist nicht vorhandene Wärmeschutz der Kommunwand spielt dabei eine eher untergeordnete Rolle, solange beide aneinander grenzenden Wohneinheiten in gleicher bzw. vergleichbarer Weise genutzt werden.

 

Im rechtlichen Sinne handelt es sich bei einer Kommunwand um eine Grenzeinrichtung im Sinne von § 921 BGB („Gemeinschaftliche Benutzung von Grenzanlagen“). Dort heißt es: „Werden zwei Grundstücke durch einen Zwischenraum, Rain, Winkel, einen Graben, eine Mauer, Hecke, Planke oder eine andere Einrichtung, die zum Vorteil beider Grundstücke dient, voneinander geschieden, so wird vermutet, dass die Eigentümer der Grundstücke zur Benutzung der Einrichtung gemeinschaftlich berechtigt seien, sofern nicht äußere Merkmale darauf hinweisen, dass die Einrichtung einem der Nachbarn allein gehört.“

 

Zurückgeführt werden kann die Entstehung der Kommunwände auf die beengten Platzverhältnisse in Innenstadtlagen oder stadtnahen Lagen, wo früher schnell und preiswert Wohnraum für Arbeiter und einfache Angestellte von Industrie- und Gewerbebetrieben geschaffen werden musste. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg wurden wegen des Mangels an Baumaterialien vielfach Doppel- oder Reihenhäuser mit Kommunwänden hergestellt, die heute jedoch aus Gründen des Schall- und Brandschutzes sowie auch aus baurechtlichen Gründen bei solchen Gebäuden nicht mehr ausgeführt werden.

 

Die Kommunwand muss nicht nur die Funktion des Schallschutzes und des Brandschutzes übernehmen, vielmehr ist sie auch unverzichtbarer Bestandteil der Tragkonstruktion beider aneinander grenzender Gebäude, weshalb eine Kommunwand auch dann an der ursprünglichen Stelle verbleiben muss, wenn das angrenzende Gebäude (aus welchen Gründen auch immer) nicht mehr in seiner ursprünglichen Form vorhanden ist, beispielsweise durch Abbruch, Umbau oder auch durch ein Brandereignis. Dies zeigt auch die besondere Problematik einer Kommunwand auf: sie ist im Prinzip Eigentum beider Hauseigentümer, deren Wohnungs- bzw. Gebäudetrennwand einschalig ist. Ein weiteres großes Problem ist der in der Regel mangelhafte Schallschutz, da die Kommunwand insbesondere bei älteren Gebäuden meist nicht aus ausreichend schweren Baustoffen (z. B. Vollziegel oder Schwerbetonsteinen) hergestellt ist und zudem häufig auch noch Leitungen (für Wasser und Abwasser) in die Wand eingelassen sind, die den Schallschutz weiter verschlechtern.

 

Ebenfalls nicht unproblematisch ist der Brandschutz einer Kommunwand. Um den Brandüberschlag von einer Gebäudeeinheit auf die unmittelbar angrenzende Einheit zu verhindern oder zumindest zu verzögern, dürfen keine brennbaren Baumaterialien (wie z. B. Holzpfetten) eingelassen oder gar durch die Kommunwand hindurchgeführt werden (was aber vielfach der Fall ist). Auch Schlitze oder Aussparungen für Wasser- bzw. die nochmals größeren Abwasserleitungen verringern den Widerstand der Kommunwand gegen Brandeinwirkungen. Durch Umbaumaßnahmen kann es durchaus auch zu weiteren Schwächungen gekommen sein, beispielsweise durch den Einbau einer Elektro- und/oder Heizungsverteilung in die Kommunwand. Dadurch wird nicht nur die Feuerwiderstandsdauer der Kommunwand erheblich reduziert, sondern auch der Schallschutz deutlich verschlechtert.

 

Wird ein Nachbargebäude abgebrochen und verbleibt somit eine Baulücke, tritt das Problem der dann unzureichenden Wärmedämmung und auch des mangelnden Witterungsschutzes deutlich zu Tage. Aus diesem Grunde darf ein angrenzendes Gebäude nur mit der Zustimmung des anderen Nachbarn abgebrochen werden, da der abbruchwillige Nachbar für die Wärmedämmung und auch den Schutz der gemeinsamen Kommunwand verantwortlich ist und daraus resultierende Kosten ggf. übernehmen muss. In einem konkreten Fall hat das Oberlandesgericht Dresden wie folgt entschieden (Leitsatz): „Reicht die nach dem Abriss eines Hauses verbliebene Nachbarwand im Sinne von § 921 BGB nicht mehr aus, um für eine ausreichende Wärmedämmung des stehen bleibenden Gebäudes zu sorgen, ist der abreißende Nachbar verpflichtet, die Wärmedämmung der Nachbarwand so zu verbessern, dass eine Tauwasserbildung in den Räumen des stehen bleibenden Gebäudes ausgeschlossen ist“ (OLG Dresden, Urteil vom 03.08.2007, Aktenzeichen 11 U 19/07).

 

Bei modernen Reihenhäusern oder auch Doppelhäusern erhält jede Gebäudeeinheit eine eigene, statisch tragende Gebäudetrennwand. Die beiden aneinander grenzenden Trennwände sind zudem durch eine Raumfuge voneinander getrennt herzustellen, sodass der Schallschutz und auch der Brandschutz deutlich besser sind als bei einer Kommunwand. Die ca. 3 cm bis 4 cm breite Raumfuge wird dabei üblicherweise mit nicht brennbarer Mineral- oder Steinwolle gefüllt (Schmelzpunkt > 1000°C; Polystyrol oder PUR-Hartschaum und ähnliches sind hier auf keinen Fall zulässig). Bei Mineralwolle dürfen nur solche Mineralwolleprodukte verwendet werden, die der Norm DIN 4102-17:1990-12 („Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen - Schmelzpunkt von Mineralfaser-Dämmstoffen - Begriffe, Anforderungen, Prüfung“) entsprechen.

 

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